Die Mass ist voll!
Besoffen mit Aussicht auf Wien
Ich liebe Wien. Diese Stadt der beinahe unbegrenzten Möglichkeiten ist manchmal das reinste Irrenhaus. Oft schlendere ich einfach nur die Straßen entlang und beobachte allerlei Mögliches und Unmögliches: weil es mir Spaß macht. Betrunkene haben es mir besonders angetan. Ihre Skurrilität, so mag es mir vorkommen, ist ein wesentlicher und nicht wegzudenkender Charakterbestandteil dieser unserer Heimatstadt. “Wien ist anders”. Gerne formuliere ich treffender: “Wien ist besoffen”. Aus dieser allgegenwärtigen Trunkenheit entsteht oft unverhofft Großes.
Heute frühmorgens, ich ging um die Gratiszeitung, hatte ich wieder eines dieser bezeichnenden Erlebnisse: im Ekazent am Elterleinplatz schlägt mir plötzlich intensiver, frischer Kotgeruch entgegen. Zunächst denke ich freilich an die Lieferanten, die geschäftig ihre Waren abladen, erkenne meinen Irrtum aber sogleich. Weder dem Supermarkt, noch dem Fleischgeschäft ist der Geruch nach warmen Exkrementen realistischerweise zuzuordnen. Ich lure um die Ecke und weiß sofort Bescheid: da hockt doch tatsächlich einer beim Mülleimer mit heruntergelassener Hose und protzt tüchtig ab. Unsere Blicke treffen sich nur kurz: der Freiluftscheisser glotzt mir ungeniert mit ausdrucksloser Miene ins Gesicht und seufzt dann erleichtert als hätte er soeben große Anstrengungen hinter sich gelassen. Auch er hat sich geschickterweise eine Gratiszeitung besorgt und bringt sein Geschäft zu Ende. Ich bin natürlich einigermaßen erstaunt, nicke dem Mann anerkennend zu und mache, nach einer Schrecksekunde, dass ich spornstreichs an ihm vorbeikomme. Im Abgehen höre ich ihn vorwurfsvoll lallen: “Heast Oida, kann man heutzutage nicht mal mehr in Ruhe scheissen? Ich habs eh schon eilig, meine Ordination macht bald auf!”. Ich entschuldige mich hastig, murmle irgendetwas wie “wollte Ihre Privatsphäre nicht stören, Herr Doktor” und schaue, dass ich weiterkomme. Nach 10 Uhr ist der Gratiszeitungsständer nämlich meist leer.
Zwei Stunden später sitze ich im gerammelt vollen 9er. Da möchte ein Betrunkener in die Bim torkeln: “Oh, Verzeihung sehr verehrte Herrschaften, der Salon ist überbelegt”, säuselt er höflich und kippt, einen ihm alle Ehre machenden Bierdunst in der Garnitur hinterlassend, rücklings auf den Gehsteig zurück. Bevor die Türen schließen beteuert er, dass er ohnehin auf den 49er gewartet und noch ein Vorstellungsgespräch hätte. Er würde einfach auf den nächsten 9er warten, in diesen auch nicht einsteigen, vielleicht aber dann, so ein Plätzchen für ihn zur Verfügung stünde, in den 49er. Er gibt die Fahrt mit einem “Herr Kapitän, legen Sie ab!” an den Fahrer frei und wir sind entlassen. “Ein Seemann, der sich bei der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft beworben hat”, vermute ich. Wahrscheinlich fährt er schon in einer Woche Steinkohle und Weinflaschen die Donau hinunter. Ein glücklicher Mensch!
Ermuntert von diesen Erlebnissen, neue Kraft für meine eigene Zukunft schöpfend, kehre ich in meine 64m² Hernals zurück und nehme mir vor, heute mal so richtig an der Schank Gas zu geben. Mit dem ein oder anderen Bier in den Venen greift nämlich plötzlich meine künstlerische Ader Raum. Man kennt das ja: mit entsprechendem Pegel steigen auch Kreativität und künstlerische Fähigkeiten in ungeahnte Höhen. Besonders gesanglich gewinnt man deutlich an Profil, und speziell öffentliche Verkehrsmittel scheinen auf dem Weg zum Durchbruch die ideale Bühne für die eigenen, schlummernden Talente zu sein. Ich habe mir sagen lassen, dass schon viele Schlager- und Opernsänger auf diese Weise in Straßen- und U-Bahnen entdeckt wurden. Wenn Sie meiner dann bald einmal in der Wiener Staatsoper oder im Musikantenstadl ansichtig werden wissen Sie, dass es am Bier gelegen hat. Und an dieser wundervollen Stadt Wien, die mich immer wieder zu Großem inspiriert (oder sich zumindest redlich darum bemüht).
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Magister Zwickel am 28.03.2011 um 17:49 veröffentlicht und unter Gedankengestrüpp abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
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Nikon – ein Reflex
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Es ist ja eine alte Weisheit, dass man zu Ladenöffnungszeiten nicht mit allzu großer Langeweile im Hirnkastl spazieren gehen sollte. Aber manchmal passierts eben doch, und so ereilte ihren nichtswerten Chronisten vorige Woche ein Reflex.
Und zwar ein Spiegelreflex in Form dieser fetten Kamera, an der ich einfach nicht vorbeigehen konnte. Und ich darf verkünden: dieses Wunderwerk der Technik spielt einfach alle Stückerln. Einziges Problem – wie bei so vielen technischen Produkten – ist der Endbenutzer, also ich, verstehe ich von der Fotografie doch ungefähr soviel wie ein Pekinese vom Bauernschnapsen. Motivwahl, Belichtung, Fokus, Brennweite, Objektiv, blablabla, lauter Dinge von denen ich im Grunde nicht mal eine entfernte Vorstellung habe, da hilft auch kein noch so tolles Zoom.![]()
Glücklicherweise hat die Nikon eine coole Einstellungsmöglichkeit: Auto. Soll heißen, sie macht eh alles alleine und gestattet mir, ihr völlig entspannt beim fröhlichen Schaffen zuzuschauen – hochheben, durchschauen, Knopferl drücken: so lob ich mir das.
Heute stand ein erster Testlauf meiner Neuerwerbung auf dem Programm, und um mich nicht einem allzugroßen Spott der Öffentlichkeit auszusetzen, wählte ich als "Set" den in Neuwaldegg gelegenen Schwarzenbergpark – ein nicht allzu überlaufenes und vor allem dankbares Motiv, denn er bewegt sich kaum … die ersten Ergebnisse dürfen sie auf diesen Seiten bewundern – urteilen Sie selbst.![]()
Da beschloß ich, Kolumnist zu werden …
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Wer bin ich, wohin gehe ich? Ich bin ohne Geheimnisse, aber mit Vergangenheit. Lieber Leser, Sie werden sagen: der Magister Zwickel ist wahrscheinlich gänzlich uninteressant!
Und Sie haben mit dieser Feststellung recht. Ich erkläre mich Ihnen nicht. Ich halte ausdrücklich fest, dass ich nicht einen flüchtigen Gedanken daran verschwende, Ihren gnadenlosen Verurteilungstendenzen Raum zu gewähren, ich gebe den Teufel darauf, das kümmert mich nicht, was man gemeinhin über mich spricht interessiert mich nicht im Geringsten.
Gehen Sie aber, so es Ihnen wider Erwarten ein Anliegen ist, in Ihrem unermesslichen Ratschluss getrost davon aus, ich hätte vor vielen Jahren einmal gemüsepflanzend in einem Kleingarten am Holzweg 1, nur wenig außerhalb einer nicht näher bezeichneten Stadt zugebracht, dabei allenthalben mehr getrunken als Erde umgepflügt oder gar Unkraut getilgt, mir die Welt in luziden Träumen sonnig und frisch gehäkelt, und des Abends verkatertem Gedankengestrüpp ein klärend Süppchen bereitet.
Ich versuchte mich dabei in so Manchem, viel mehr aber noch in viel zu Wenigem: ich habe mir die exotischsten Sprachen anverwandelt, unwissentlich und auch ganz bewusst Menschen vor den Kopf gestoßen, ich schuf außerordentlich banale Literatur, die ich mal wutschnaubend, mal kühllächelnd in Bergseen ertränkte oder boshaften Anverwandten überantwortete, ich habe Oboen und leere Bierflaschen bespielt, alles begonnen und sehenden Auges nichts zu Ende gebracht, Zinshäuser ins All geschossen, eine Lehre als Kieselsteinmetz abgebrochen, ich ergötzte mich am Billardspiel mit Vorhangstangen, fuhr einsamen Frauen in ihren verzweifelten Momenten halbherzig durchs Haar, berührte ihre Hände und wagte es in meiner Unverschämtheit, mich an deren entrückten Blicken zu stören; an nicht enden wollenden Winterabenden indes drechselte ich eine gar erklecklich Zahl an Gurkenzangen – stets mit der glühenden Begeisterung und Akribie eines Grundschülers beim Gestalten der Zierzeile, immer aber auch im Nebel ungebrochener Hoffnung, zu guter Letzt einer fruchtbaren Schaffensperiode Vorschub leisten zu können.
Für die Position, die mir das Universum dereinst huldvoll zugedacht, war ich einigermaßen überqualifiziert, lebte ich zu vertikal und immer nur für diese eine befriedigende Anfangseuphorie; das kläglich Verbliebene ergab sich meiner Beharrlichkeit nicht.
Der Drang, Herausragendes zu schaffen, tönte immerzu im falschen, einem durchwegs komplizierten Rhythmus, verglühte im alles beherrschenden Wechsel meiner Beliebigkeiten: rot, hölzern, grün, Größenwahn, flüssig, tosende Überwelten, Verliebtheit, Gipfelruh und all solch ineinander.
Die allumfassende, mich durchwegs beschäftigende Frage: „Was kann ich, der Zwickel, der Menschheit hinterlassen, was ihr nicht von anderen schon längst hinterlassen wurde?“.
Bar jeglicher Kenntnis der Funktionsweise von Mähdreschern blieb mir folglich auch die seit jeher angestrebte Lebensstellung als Mähdreschermechaniker in einer südrussischen Agrargenossenschaft verwehrt, woran ich jedoch keineswegs zerbrach – waren diese meine Mähdrescherbestrebungen doch lediglich Ausdruck einer schäbigen Gier, das Außergewöhnliche zu fassen, mich fortwährend selbst überraschen zu wollen, und Brücken hinein in eine Sinnwirklichkeit zu schlagen, die den üblich Zeitgenossen widerwärtig und wenig erfüllend scheint, sich gleichermaßen aber von all dem abhebt, das sich in seiner ungebührlichen Bedeutungslosigkeit niemals abzuheben gedenkt.
Ich formulierte diese richtungsweisenden und wahrhaft beflügelnden Umgrenzungen meiner Mähdrescherexistenz samstagmorgens um sechs am Pissoir eines Vorstadtlokals namens “Alsbachprinzessin” und hielt in geradezu prophetischer Manier fest:
„Wohlan, kreuzigt mich, so sei ich denn Mähdreschermensch! Staunet und lasset gleichwohl Mähdreschermenschen mich fischen. Was ist à suivre, was folgt?“
Anschließend verwandte ich, dies sei Ihnen anvertraut, in meiner Großmannssucht tolldreiste Ideen entwickelnd, mehrere Monate vergebens darauf, der Pflanzen Sprache zu ergründen, Diskurs zu führen mit Apfelbäumen, Zitronen und Holunderstauden. Eine praktische Pflanzenlinguistik der Nachwelt und meiner Hybris zu erschließen wurde mir im Wahne gelb durchbrauster Nächte letztlich zum heiligen Denkauftrag. So entwickelte ich beizeiten einen regelrechten Pflanzenfanatismus, Bewunderer wie Neider bescheinigten mir naturgemäß die Unzurechnungsfähigkeit des zu Großem Berufenen. All meinen mühseligen Untersuchungen lag dabei die durch nichts und absolut wieder nichts zu untermauernde und freilich nur mir einleuchtende These zu Grunde, Sprache müsse im Gegenüber unweigerlich Sprache induzieren, infolgedessen es genüge, mein Gewächs unaufhörlich mit solcher zu düngen. Ein zum Himmel schreiender Irrtum, wie ich allzu bald erkannte: weder Pavese, Bernhard, Shakespeare, noch eines meiner unterdurchschnittlichen Sonette, welche ich maulfaulen Tomatenranken und Obstbäumen angelegentlich angedeihen ließ, vermochten deren Bockigkeit ein Silblein abzutrutzen. Einzig Gogols „Tote Seelen“ schien mittelfristig Erfolg zu versprechen; erregtes, beinah erotisches Zittern überfiel Tannhäuser, den alten Nussbaum backbords – allein, das rätselhafte Schweigen wich dennoch nicht.
Ich mutmaßte: Tannhäuser war Musiker, tat nach Gewort sich nicht um, er segelte nach Noten!
Ich hatte, das räume ich gefällig ein, den Kontrapunkt, an dem man sich ins Gegenteil verklärt, sträflich außer Acht gelassen.
Gleichermaßen war ich der Zivilisation nun, wie ich glaubte, endgültig abtrünnig geworden, hatte sich doch meine letzte, wenn auch überaus gewagte Hoffnung, in der Gesellschaft auf irgendeine bemerkenswerte Art und Weise reüssieren zu können, unglücklicherweise von heute auf morgen zerschlagen. Ich schleuderte im virtuosen Wollwaschgang meiner unerfüllten Erinnerungen und vagen Träume und harrte der Dinge, die da kommen mochten.
Die über mich so plangemäß hereinbrechenden Unbilden des von mir daselbst gewählten Schicksals schrieb ich den Launen einer mir einfach nicht gewogenen höheren Macht zu und empfand ob dieser Erkenntnis eine tiefe, innere Ruhe, entband mich dieser Umstand doch von der lästigen Verantwortung des Gestaltenmüssens.
„Ich habe alles Menschenmögliche versucht, es ist nichts dabei herausgekommen! Ich bin schuldlos, all dies ist widrigen Umständen zu verdanken“, habe ich mir an einem verregneten Dienstag tatsächlich frohgemut eingestanden, überdies in einem Anflug anmaßender Selbstüberschätzung einen ausrangierten kirgisischen Mähdrescher in dessen Einzelteile zerlegt, diesen nach einem Fässlein Bier aber freilich nicht wieder ordnungsgemäß zusammengesetzt.
Just inmitten derart rauschumwölkter Mähdrescher- und Pflanzenimponderabilien erschien ein Silberstreif am Horizont wohlfeiler Unmöglichkeit.
Die stramme Regung eines aufkeimenden Morgens – im rot-glühenden Osten loderten gar farbig Zeisigschwärme – war, wie ich heute weiß, der Anbeginn meiner neuen Zukunft
Vom angestrengten Nichtstun der letzten Tage matt und ermüdet, lungerte ich in meinem Ohrenbackensessel unter Tannhäuser, leistete mir Gesellschaft und lauschte dem fliehenden Zirpen der Grillen, ansonst ohrenbetäubende Stille mich umfing.
Ich durchblätterte die Lokalzeitung der “Alsbachprinzessin” und wurde bald der Tatsache gewahr, dass auf dem Sektor dieser Lokalzeitungen, abseits von Kreuzworträtseln, Kochrezepten und Kindergeschichten, vieles aufzuarbeiten war.
Tannhäuser steht immer noch wie angewurzelt in meinem kleinen Garten herum und spricht erstaunlicherweise – nicht.
Ich aber beschloß, Kolumnist zu werden. Was anderes kann ich nämlich nicht. Und Mähdrescher sind gar seelenlose Gesellen, glauben Sie das einem alten Spinner wie mir ruhig.
April?!
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Eben folgenden Anschlag im schwarzen Kasten des Bezirksamtes erspäht:
Morgen um 12:00 findet ein Feuerprobealarm statt!
Sollte es morgen um 12:00 tatsächlich brennen entfällt der Probealarm!
Im Prater blüh’n wieder die Biere …
vor 2 Jahren - Keine Kommentare

Stilleben mit Schweizerhauskrügerl und Stelze
Intelligenzbestie
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Werte Leserschaft, etwas das ich ihnen bislang vorenthalten habe: ihr nichtswerter Chronist war sich nicht zu blöd vor ungefähr vierzehn Tagen einen Intelligenztest zu machen. Mehr un- als freiwilllig, soviel sei gesagt. Ohne mich allzu sehr in Details zu verlieren, kann ich zu meiner Verteidigung anführen, dass an jenem Tage wohl meine Sinne verwirrt gewesen sein müssen. Denn wer bin ich, einer recht jungen, recht charmanten und recht eloquenten Uni-Assistentin, die zu Forschungszwecken ihre Fallstricke im Ekazent Hernals ausgelegt hatte, Paroli zu bieten?
Und so fand ich mich nach kurzem Wortgefecht hinter einem Paravant wieder, vor mir ein Resopaltischerl und auf selbigem bereits erwähnter Intelligenztest. Meine Hoffnung bis dahin war gewesen, dass die junge Akademikerin mich nun durch selbigen assistieren würde. Schön blöd, denn sobald sie mich soweit hatte, ließ sie mich wieder allein und zog los, um weitere Laborratten für ihre Zwecke zu rekrutieren. Ich verlor sofort die Lust, hier den Multiple-Choice-August zu geben, zur Flucht war ich jedoch auch zu stolz, und so wählte ich den Ansatz, die einzelnen Fragen via Münzwurf zu entscheiden. Dies war unkompliziert und ging recht flott.
Gestern jedenfalls fand ich das Ergebnis im Postkastl, und seitdem quält mich die Frage: wo habe ich sie nur ausgegeben, die einzige 2-Euro-Münze der Welt mit einem IQ von 75?
Wiener Gesichter: Bea Bim
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Wir setzen unsere Serie “Wiener Gesichter”, in der wir Ihnen von nun an Menschen unserer Heimatstadt vorstellen möchten, mit dem überhaupt allerersten Beitrag dieser Kategorie fort und präsentieren Ihnen heute:
Bea Bim (31), Straßenbahnfahrerin
Bea Bim, die fesche Straßenbahnfahrerin aus Wien Favoriten ist trotz ihrer 31 Jahre noch eine echt scharfe Katze. Die Besitzerin zweier Töchter und alleinerziehende Mutter von fünf richtigen Katzen hat bei den Wiener Linien ihren Traumjob gefunden, obwohl sie mit ihren Teilstudien der Fächer Astrologie und Numismatik auf der Volkshochschule Wulkaprodersdorf für die höhere Managementebene bestimmt gewesen wäre. Immer wenn sie beschwingt und mit mächtig viel “Bim-Bim” die Währingerstrasse entlang fährt, dann und wann die Türchen öffnet, hier und dort ein Weichlein stellt, ist die Welt für sie in Ordnung. Mit Menschen hat sie gerne zu tun, und ihre kosmopolitische Orientierung beweist sie täglich im Gespräch mit japanischen und deutschen Touristen, die von ihr zuvorkommend darauf hingewiesen werden, dass das Sprechen mit dem Fahrer während der Fahrt verboten sei. Die Freude am Kundendienst liegt ihr ebenso im Blut wie das ein oder andere Achterl Wein, wenn sie abends, am Balkon ihrer Gemeindebauwohnung stehend, die zwei Sternenhimmel betrachtet und vom Traumprinzen träumt, der irgendwo da draußen gerade mit ihrer besten Freundin im Bett liegt, dabei aber sicher an Bea Bim denkt*). Körperlich ist sie, wie angedeutet, noch gut in Schuss, an den Ohrläppchen völlig Cellulite-frei und intimem Erfahrungsaustausch**) keineswegs abgeneigt. Der ägyptische Erzeuger ihrer beiden Mädels hat sich vor kurzem in sein Heimatland abgesetzt um, wie er sagt, mal ein wenig Revolution zu machen (zudem sei eine seiner drei dortigen Frauen hochschwanger). Ungeachtet dieser Tatsache hat sich Bea Bim ihr fröhliches, aufgeschlossenes Wesen bewahrt und überzeugt ihre Umwelt mit guter Allgemeinbildung, Eloquenz, Fleiß, einem 46″-FullHD(!)-Plasmafernsehgerät und modisch-adrettem Erscheinungsbild. Bea Bim ist an Nationalratswahltagen Nichtraucherin, genießt an den übrigen Tagen maximal 2 Päckchen, besitzt ein gepflegtes, reizvolles, an eine Lippizanerstute erinnerndes Gebiß und sieht regelmäßig Sport im Fernsehen. An Donnerstagen gibt es Tiefkühlspinat, an Freitagen Tiefkühlfisch, an den Wochenenden dürfen sich die begeisterten Kinder eine Pizza bestellen und sich endlich einmal in ihr Zimmer zurückziehen, während Bea Bim proaktiv ihre Internetchatbekanntschaften abarbeitet.
Bea Bim, wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie alles Liebe für die weitere Zukunft und werden das nächste Mal, so wir in Wien unterwegs sind, bei den Wiener Linien darauf drängen, nur von Ihnen über die Geleise geschunkelt zu werden!
*) auf ausdrücklichen Wunsch Frau Bims im Text angeführt
**) auf noch ausdrücklicheren Wunsch Frau Bims in den Text aufgenommen
Ing. Penz und die Weltenmaschine
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Der Tagesablauf in der Alsbachprinzessin ist an Samstagen immer ein deprimierender gewesen. Man möge Ihrem nichtswürdigen Chronisten diese beinahe häretische Aussage verzeihen, aber tatsächlich kann ich auch heute, an meinem Krügerl nuckelnd und mir die Stammgastrunde interessiert zu Gemüte führend, kaum Gegenteiliges feststellen. Erfolgreiche und vor Energie strotzende Menschen trinken ihr Bier woanders, das würde wohl ein Aussenstehender denken. Ein Eingeweihter weiss: in der Alsbachprinzessin trinken hauptsächlich verkannte Genies.
Die Gaststube ist voller, wie man so schön sagt “gescheiterter Existenzen”: an sich und ihrem Leben, an den Butterpreisen, oft aber auch am 10. Bier verzweifelnd. Man gibt sich den unmenschlichen und gemeinhin unterschätzten Anstrengungen des Nichtstuns hin und hofft fortwährend auf glückliche Segnungen der Vorsehung, die spontan vom Himmel herabsteigen um einen in höhere, glückbringende Sphären zu katapultieren.
Peppi Schmalz zergeht in Liebeskummer und starrt mit verklärtem Blick auf die regnerische Szenerie der Hernalser Hauptstrasse. “Fatima, wo bist du?”, scheint sein zu einem Triangel geformter Mund zu formulieren. Den Langenscheidt Türkischkurs hat er entnervt im Aschenbecher verbrannt. Jonas Reindl, Bierfahrer und notorischer Besserwisser, versucht sein Glück an Kreuzworträtseln, die schon durch die Hände ignoranter Laufkundschaft gegangen sind: jene geizigen Blutsauger, die auf ein Leitungswasser und einen kleinen Espresso einfallen, um sich vor dem Regen zu schützen und stundenlang den für die Stammkundschaft aufliegenden und reservierten Zeitungsstapel ungeniert zu durchwühlen, dabei quasi im Vorübergehen Rätsel und Suchbilder lösen und nur mehr die wirklich kniffligen Sachen übriglassen, die sowieso keinen Spaß mehr machen.
Brigitte Nau, Änderungsschneiderin mit einem kleinen Geschäft in der Blumengasse, studiert versonnen ihr tägliches Horoskop, zieht ab und an eingeschüchterte Schnuten und fragt sich wohl, warum es das Schicksal mit ihr heute wieder gar so böse meinen will.
Dann ist da noch das Lokalfaktotum Herr Nals, der mit immer gleich ausdrucksloser Miene in den vom blauen Dunst geschwängerten Gastraum starrt und den Eindruck vermittelt, ihm sei die Welt in all ihren Irrungen und Wirrungen ein offenes Buch und dergestalt einzig und allein Spielwiese seiner willfährigen Projektionen. Manchmal blitzen seine Augen gefährlich auf, als wollten sie sagen: “Mir kann keiner was!”.
Allen Anwesenden gemein dürfte wohl die bewegende Frage sein, was man denn nun mit dem restlichen Tage und seinem angebrochenen Leben anzufangen habe. Da sich diese Frage in den seltesten Fällen spontan in einer zufriedenstellenden Art und Weise auflösen läßt, wird einfach getrunken oder man folgt den nervenzerfetzenden Übertragungen der Curling Weltmeisterschaft auf Eurosport.
Mir selbst indes kommt das Leben nachgerade ganz vorteilhaft gehäkelt vor und schillert vor meinem geistigen Auge in den buntesten Farben einer ganz und gar verheißungsvollen Zukunft. Lieblingskellner Frantisek ist mein Freund, der Wurlitzer hat den Geist aufgegeben und das Bier schmeckt mir heute gerade so gut, wie schon seit gestern nicht mehr.
Für 16 Uhr hat sich mein alter Freund Ing. Penz angekündigt. Mit verschwörerischem Unterton hat er mir am Telefon verkündet:
“Magister, ich steh vor einem Durchbruch! Ein 300 Milliarden Projekt. Mindestens! Wir müssen darüber reden”.
Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt ist der Ing. Penz dann auch in der Alsbachprinzessin erschienen, kommt schnurstracks auf meinen Tisch zu und begrüßt mich hochgradig euphorisiert:
“Servus Magister! Ich hab die Weltenmaschine erfunden!”
Sein völlig verwahrlostes Äußeres und sein wirrer Blick zeugen von der Unzurechnungsfähigkeit eines zu Höherem Berufenen, von durchwachten Nächten, Gastritisanfällen und einer scheidungsreifen Ehe.
“Die … was?”, frage ich nichtsahnend, während Frantisek automatisch ein Krügerl an den Tisch bringt.
Enttäuscht, auch in mir einen ignoranten Nichtsversteher zu finden, sackt Ing. Penz auf einem Stuhl mir gegenüber zusammen. Ich nehme starken Mundgeruch wahr.
“Zwickel, die WELTENMASCHINE! Bist du so blöd oder stellst du dich nur so?”.
“Die Weltenmaschine. Gott, sag das doch gleich Ingenieur. DIE WELTENMASCHINE. Die lang herbeigesehnte Lösung all unserer Probleme. Jene Erfindung, auf die die Menschheit seit Jahrtausenden wartet und ohne deren Einsatz der Weltuntergang unmittelbar bevorstünde. Spätestens 2012. Scheiss Mayas!”.
“Richtig. Endlich jemand, der weiß worums mir geht”. Die Penz’sche Miene hellt sich merklich auf. Meine fantasievoll gedrechselten Vermutungen dürften ins Schwarze getroffen haben.
“Tja, lieber Ingenieur. Du siehst mich hin und weg. Erst gestern Nacht wälzte ich mich unruhig zwischen meinen Bettlaken und habe mich fortwährend gefragt, welchem Genie die Erfindung der Weltenmaschine endlich gelingen würde. In einem Anflug von Geringschätzung, den du mir hoffentlich nachsiehst, hätte ich zuerst auf Stephen Hawking getippt. Dummer Gedanke!”
“Stephen Hawking kann mir nicht das Wasser reichen.”
“Nie und nimmer!”
“Gestern abend gelang mir der Durchbruch. Natürlich rein zufällig … ”
“Wahrlich Großes entspringt immer nur dem geplanten Zufall. Die Atombombe soll ja in ihren Grundzügen auch auf einer Kindergeburtstagsparty von einem engagierten Clown angeregt worden sein …”
“Pipifax. Meine Erfindung sprengt alles. Sogar Atombomben”
“Leonardo da Vinci verkümmert damit wohl zu einer wissenschaftlichen Randfigur. Einstein sowieso. Die Welt wird nur noch von PENZ sprechen.”
“Wieder richtig. Dabei stand ich vor einem schier unlösbaren Problem …”
“Ich nehme an du sprichst von den unkontrollierbaren Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch?”
“Woher weißt du … “, äußert Penz gepresst und kneift die Augen zu zwei Kommata zusammen.
“Die zentrale Frage. Und die Theorie vom … “, fahre ich ruhig fort.
“… Übergangszustand!”, schmettert Penz mir entgegen.
“Richtig. In meinen Überlegungen ein absoluter Knackpunkt”, sage ich wissend.
“Adiabatische Näherungen bei der Berechnung … “. Penz wagt erneut einen Vorstoß.
“… von Geschwindigkeitskonstanten gilt es natürlich mit einzubeziehen”, werfe ich nun, Oberwasser bekommend, selbstbewusst in den Raum.
Während mein Stolz darüber, in diesem Fachgespräch die ein oder andere wichtige Betrachtung aufs Tableau zu bringen wächst, zeigt sich Penz eingeschüchtert und schockiert:
“Zwickel, wer schickt dich? CIA, Mossad, BND, Greenpeace, Blindenverband? Spucks aus!”. Er springt vom Tisch auf und fuchtelt wild mit seinen Händen vor meinem Gesicht herum.
“Mach dich nicht lächerlich. Solche Organisationen gehören im digitalen Zeitalter der Vergangenheit an. Alle meine Informationen beziehe ich über Direct-Link vom Spionagesatelliten Paranoia III, der einzig und allein auf Wiener Ingenieure angesetzt ist. Seit gestern habe ich eine passende iPhone App”, versuche ich zu beruhigen.
Ing. Penz stößt einige unartikulierte Laute aus und fällt weinend in seinen Stuhl zurück.
“Mach dir keine Sorgen, Ingenieur. Sollte der Satellit mal ausfallen bist du so gründlich verwanzt, dass uns nichts entgehen kann. Ich liebe die moderne Technik.”
Ing. Penz kriecht verängstigt unter den Tisch.
Lieblingskellner Frantisek, der uns schon länger zuhört, kommt hinter der Schank hervor, wirft einen Blick unter den Tisch und meint:
“Herr Inscheniör, g’hören die zwei Gorillas, die draußen grad aus dem 7er-BMW steigen vielleicht zu Ihnen?”
Penz stößt einen lauten Schrei aus, reisst sich die Kleider vom Leib und rennt wimmernd zum Hinterausgang hinaus.
“Jessasmariantjosef, Magista … glaubst hammas übertrieben?”, fragt mich Frantisek mit Unschuldsmiene.
“Ach was. Aber ich konnt mir das ewige G’schichtl von der Weltenmaschine nicht ein 17000. Mal anhören”.
“Ich bring noch ein Krügerl. Und der Wurlitzer geht zum Glück auch wieder!”
“Untersteh dich, Frantisek. Paranoia II kreist auch noch … vergiss das nie!”
Den Rest des Nachmittags ist Frantisek erstaunlich stumm. Ing. Penz wird eine Stunde später splitterfasernackt am Stephansplatz aufgegriffen und weigert sich standhaft, das Versteck des Mikrofilms mit seinen Entwürfen preiszugeben.
Bier kommt in 1,5l Flaschen
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Nahezu unfassbare Nachrichten erreichten mich heute von der Brau Union: ab April soll Bier in 1,5l – Flaschen am Markt erhältlich sein. 1 Bier ist dann eigentlich 3 Bier. Oder so ähnlich …
Die vollständige Meldung ist hier nachzulesen:
http://wien.orf.at/stories/506221/
Peppi Schmalz – Türkenbelagerung
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Liebe Leser, wir können es nicht länger geheim halten: der Frühling ist ausgebrochen, Schneeglöckerl und Märzenbecher wurden bereits in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, und, zum Entzücken ihres nichtswerten Autors, wagt es auch so mancher Vorstadtgastronom, verschämt aber doch, Tische und Sessel zwecks Andeutung eines Schanigartens auf die Gehsteige zu räumen. Jetzt hat diese bei allen ansonsten hochbeliebte Jahreszeit aber nicht nur Vorteile. Ein Hauptübel des Frühlings ist, dass plötzlich und mit den Autor fassungslos machender Breitenwirkung, das Spinnerte in die Menschenhirne einfährt, sprich: Frühlingsgefühle, also jene Herzensregung, die – mag es meinethalben irgendwelchen olfaktorischen Lockstoffen in der guten Hernalser Luft geschuldet sein – die Leut deppert macht. Auch den Peppi Schmalz, der im Augenblick völlig neben sich, und mit leuchtenden, straßenbahnroten Herzerln in den Augen den Bezirk unsicher macht.
Des Peppis Objekt der Begierde: Fatima! Ihres Zeichens verschämte und schüchterne Backwarenverkäuferin beim Merkur am Parhammerplatz – ein scheues Reh hinter Brotlaiben. Eines dürfen sie mir glauben: in seinem ganzen Leben hat der Peppi keine derartigen Mengen an Semmeln, Laugenstangerln, Sesamweckerln oder Vollkornbrezeln gekauft, geschweige denn konsumiert. Und dies alles der Liebe wegen. Ob dieser Manie hat unser Peppi natürlich auch schon einiges an Aufsehen erregt, es fällt nunmal auf, wenn einer wie der Peppi, täglich an die zehn- bis fuffzehnmal in den Merkur reinspaziert, um, die vor Ort lagernden Biergebinde völlig außer acht lassend, schnurstracks zur Backwarentheke zu hecheln, und dann buchstäblich zig Minuten lang in tiefer, testosteronbedingter Verwirrung zu verharren: Bauernbrot oder Salzstangerl?
An dieser Stelle sei erwähnt, dass Fatima zwar von ihrer Art her lieblich, zart, scheu und ganz und gar entzückend ist, ihr Äußeres den unbedarften Beobachter jedoch nichts von diesen Eigenschaften ahnen lässt. Oder anders formuliert: Walküre auf türkisch. Aber man kann es sich ja niemals aussuchen, wo die Liebe hinfällt, und wer weiß: vielleicht ist es ja gerade dieses Übermaß an erotischer Nutzfläche, über das Fatima gebietet, das den Peppi so narrisch macht.
Wie gesagt: die Leut reden schon über den Peppi. Genauer gesagt, die anderen Merkurmädels, und noch genauer gesagt: die Lydia, ihres Zeichens frisch angelernte Merkur-Regalbetreuerin (Nudeln und Naschwerk), mit einem unbändigen Ehrgeiz, möglichst bald die Karriereleiter zu erklimmen, um dann hinter einer der zwanzig Merkurkassen Platz nehmen zu können. Einfach scannergeil. Und diesem Typus Mensch ist ja beinahe alles zuzutrauen. Auch, dass die gute Lydia nun den lieben langen Tag nichts anderes mehr zu tun hat, als Gott und die Welt, ob die das nun wollen oder nicht, vom Peppi und seiner Leidenschaft für Fatima vollzutratschen. Und wenn jemand so dahinter ist, fanatisch Stein um Stein in den Bezirksgerüchteteich zu werfen, dann darf es nicht verwundern, dass das Wellen schlägt.
Und es waren genau diese Wellen, die gestern vormittag dann, schon zur kräftigen Brandung geworden, an den Gestaden vom Peppi Schmalz aufschlugen. Und zwar just in dem Moment, als jener eben wieder frischen Mutes den Merkur betreten wollte, um seinem Liebchen den ersten Besuch des Tages abzustatten. Leider kam der Peppi nicht mal durch die Eingangstür, da verdunkelte sich der Himmel und Kollege Schmalz fand sich von jenen sechs Nachteilen umringt, die eine Beziehung – und sei sie auch noch so platonisch – zu einem jungfräulichen, semmelverkaufenden Mädel aus der Türkei eben so mit sich bringt: ein Vater, zwei Brüder, zwei Onkel und ein Cousin. Allesamt Familienmenschen, versteht sich. Und allesamt gut einen Kopf größer als Peppi Schmalz.
Glücklicherweise gewannen in diesem Augenblick die, in jahrelanger Obdachlosigkeit antrainierten Überlebensinstinkte im Peppi die Oberhand über das Frühlingswischiwaschi, und anstatt sich mit den ihn umgebenden Herren auf einen wohl eher unkonstruktiven Diskurs einzulassen, tat er, was wohl jeder in dieser Situation getan hätte. Er deutete blitzartig über die nächstbeste Schulter hinweg und schrie: “Gaddafi!” Und tatsächlich: die türkischen Möchtegernbodyguards wandten kurz die Köpfe um Ausschau zu halten nach jenem libyschen Tunichtgut, der im Augenblick, so war es wohl die feste Überzeugung der Männer, bestimmt nichts besseres zu tun hat, als durch Hernals zu flanieren.
Und diese drei Sekunden der vorherrschenden Verwirrung nutzte der Peppi, durchbrach den türkischen Belagerungsring und rannte los. Natürlich erkannten die solcherart Gefoppten recht schnell ihren Irrtum und nahmen umgehend die Verfolgung auf, Fatimas Brüder dabei sofort die Spitze der wilden Verfolgerhatz einnehmend. Aber so schnell kann einer gar nicht sein, als dass er einen in höchste Fluchtbereitschaft versetzten Peppi Schmalz noch einzuholen imstande wäre. Der Fairness halber sei aber gesagt: es wurde knapp, verdammt knapp.
Doch eines muss man dem Peppi lassen, er verfügt exakt über jene Art von Schlauheit, die einen Manne in solchen Situationen immer genau das richtige tun lässt. Und das richtige war, schnurstracks Richtung Kalvarienberggasse zu schurln und wie ein Pfitschipfeil in allerletzter Sekunde in die dort malerisch gelegene Kalvarienbergkirche abzutauchen. “Asyl!”, schrie der Peppi, es war gerade Vormittagsmesse und fünf pensionierte weibliche Augenpaare wandten sich ihm augenblicklich zu. Endlich passierte mal was G’scheites in der Kirche, denn immer nur daheim im TV “Sturm der Liebe” und Rosamunde Pilcher kann ja auch nix!
Die türkische Verfolgermeute hielt jedoch inne, teils aus Respekt vor dem Gotteshaus, teils wohl aus Angst, sich beim Betreten desselben vielleicht mit irgendeinem aggressiven katholischen Virus anzustecken. Man beratschlagte kurz und heftig, und kam dann zum Schluss, dass es sich ohnedies nicht dafür stehe und dass ein ordentlicher türkischer Gentleman diese Tageszeit wohl viel sinnvollerweise beim Barbier zubringen solle, anstatt vor einer Kirche auf so einen, wie den Peppi zu lauern. Und so zerstreuten sich die sechs braven Türken wieder, jetzt nicht mehr ganz so Familienmenschen.
Vom Peppi sei noch zu berichten, dass es nicht gewiss ist, ob er es sich verbessert hat. Augenblicklich jedenfalls, befindet er sich in der Aida am Elterleinplatz im Gewahrsam von fünf betagten und dennoch resoluten Vorstadtwitwen, allesamt versehen mit einem Übermaß an Tagesfreizeit und Redebedürfnis und wartet dort das Ende des Frühlings ab.
Frisch gezwickelt
vor 2 Jahren - Keine Kommentare
Liebe Leserschaft,
ich hatte keinen Bock mehr auf dieses werbeverseuchte Gratisblog auf blog.de.
Jetzt geht’s also an dieser Stelle ans Eingemachte. Ich denke, das Design ist relativ gut gelungen.
Prost!
Hasta la vista,
Ihr Magista!